In diesem Artikel gehe es darum, daß der Begriff „intrinsischer Wert“ (iW) keinen Nutzen für die Tiere selbst hat und die Diskussion um Tierschutz.
Als erstes wollen wir den Begriff grundsätzlich erklären und dann dazu übergehen den Begriff in Beziehung zum Schutz des Tieres zu gebrauchen.
Im Wörterbuch wird der Begriff „intrinsischer Wert“ mithilfe des Begriffes „Geld“ erklärt: Geld hat den auf die Münze oder Geldschein aufgedruckten Wert (finanzieller Wert) und den Materialwert der Münze und des Papiers (instrumenteller Wert).
Ein 10-€-Schein kann gebraucht werden um Dinge zu kaufen, die ich als 10 € wert finde. Das Papier an sich, auf dem der Zahlenwert gedruckt ist, entspricht nicht diesem Wert. Auch bei den Münzen entspricht der aufgedruckte Wert nicht dem Geldwert. Das Material ist billiger.
Der Materialwert ist der intrinsische Wert des Geldes, der Wert des Geldmittels.

 

„Alles von Wert ist wehrlos“ (Lucebert 1974)

Aspekte:

  1. Abrede des Intrinsischen Wertes selten vorkommender Tiere gegenüber häufigen
  2. Intrinsischer Wert: die neuen Kleider des Kaisers?
  3. Eigenwert oder eigener Wert?
  4. Intrinsischer Wert in der Schöpfung: deus ex machina?
  5. Werte und Rechte bestehen unabhängig von einander
  6. Freiheit ist ein besserer Ausgangspunkt für den Tierschutz
  7. Vermutlich wird der Begriff oft anders verstanden wie es gemeint ist

Freiheit ist ein unbezahlbares Gut

     

Zu 1. Abrede des Intrinsischen Wertes selten vorkommender Tiere gegenüber häufigen

Der Wert des Geldscheines und der Münzen ändert sich in dem Moment, wenn es aus dem Umlauf genommen wird. Indem man das selten gewordene Geld sammelt, entsteht ein so genannter Sammelwert. Dieser kann viel höher liegen als der eigentliche Geldwert.
Ähnlich dem Gelde geht es auch den Tieren!
Tiere, welche vom Aussterben bedroht sind, finden sich auf einer Roten Liste wieder und bekommen infolgedessen einen hohen intrinsischen Wert.
Scheinbar gibt es einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit und dem intrinsischen Wert eines Tieres: je häufiger es vorkommt, umso niedriger der Wert – und es wird umso schlechter behandelt, je geringer sein Wert. 450 Millionen Tiere in der Industrie der Niederlande haben zusammen einen niedrigeren Wert als z.B. die „Dachse“ in Limburg.
Im Tierschutz bedeutet der Intrinsische Wert eines Tieres seinen Eigenwert, der Wert, der ganz unabhängig ist von jenem finanziellen, instrumentalen oder Gebrauchswert.
Es ist fraglich, ob der Mensch diese Unterscheidung nicht machen kann oder nicht machen will?

Zu 3. Eigenwert oder eigener Wert?

Verwirrend wird es, wenn Menschen den Begriff ersetzen durch Eigenwert. In der Ethik hat das Wort die Bedeutung persönlicher Wert, das ist der Wert, der das Bewusstsein über den eigenen Wert in der Gesellschaft ausgibt. Die Ethnologie hat keinen Beweis darüber, ob Tiere ein Bewußtsein ihres Selbst und ihres Eigenwertes haben. Es gibt Wissenschaftler, die den Tieren jegliches Bewußtsein einer eigenen Persönlichkeit oder einer eigenen Identität absprechen. Von Menschenaffen und Delphinen wird glaubhaft deutlich gemacht, daß sie eine minimale Form von Identität haben.

 

Zu 2. Intrinsischer Wert: die neuen Kleider des Kaisers?

1981 wurde ein Gesetz des Niederländischen Staates zum Schutz des Tieres von der Volksvertretung angenommen. Dieses Gesetz erkennt den Intrinsischen Wert des einzelnen Tieres an.
Im Gezondsheids- und Welzijnswet (GWWD) wird der Begriff wie folgt umschrieben:
Das Anerkennen eines Intrinsischen Wertes des Tieres bedeutet, daß das Tier einen Eigenwert hat – und die Interessen des Tieres nicht mehr automatisch den Interessen der Menschen untergeordnet sind.
Demgemäß ist das Ziel der Tierschutzgesetzgebung das Fördern und Fordern des Schutzes der Tiere vor schädlichen Handlungen seitens der Menschen.
Die Tierschützer versprachen sich von der Verordnung, daß der Begriff Eigenwert des Tieres die Bevölkerung bald und umfassend erreicht, was dann vielleicht dazu führt, daß Tierschutz schonmals in aller Munde ist.
Sie wünschen sich eine Sensibilisierung der Bevölkerung, sich mehr um das Wohlsein der Tiere zu kümmern.
Ihr Wunsch hat sich noch nicht erfüllt.
Die Bereitschaft, mit welcher Tierschutz-Begriffe von Jeder Mensch, auch von Profiteuren der Tierindustrie, aufgegriffen und akzeptiert worden waren, während in der täglichen Praxis sich nichts veränderte, müßte die Tierschützer nachdenklich stimmen.
Jeder Mensch benimmt sich so, als ob er begriffe, was mit den Begriffen verbunden wäre. Niemand gibt zu, daß er nicht weiß, was zu tun sei, aber es klingt sehr interessant und modisch.
Oft gebrauchen sie Politiker oder Fleisch-Industrie-Vertreter, um zu verschleiern, wenn nach Tierschutz gefragt wird, und dazu steht ihnen jede Menge Geld zur Verfügung.
Es ist wie „das neue Kleid des Kaisers“: ein Nichts.

     

Zu 4. Intrinsischer Wert in der Schöpfung: Deux ex machina?

Für diejenigen, welche die Bibel als Inspiration gebrauchen, ist das Tier durch Gott geschaffen als Geschöpf, dessen Wert über das Gebraucht-werden durch den Menschen hinausgeht. Es steht zwar in der Bibel: Macht sie euch untertan! aber trotzdem wird gesagt, daß Tiere eine Seele haben. Es ist eine menschliche Pflicht, den Tieren Gutes zu tun. Es ist die Seele, in der diese Erfahrungen hinterlegt werden, und die Seele formt die Verbindung zwischen Mensch und Tier.

 

Zu 5. Werte und Rechte bestehen unabhängig von einander

Die Rechte eines Individuums, gleich ob Mensch oder Tier, verringern sich nicht mit ihrem jeweiligen Wert, egal, ob der Wert in Geld, ihrer Einzigartigkeit oder intrinsisch gerechnet wird.
Selbst wenn Der Eigenwert eines Lebewesens gering wäre, mindert es nicht dessen Rechte im Verhältnis zu einem anderen Lebewesen.
In unserer Rechtsprache gilt das Tier als ein Objekt. Der Wert dieses Objektes kann variieren zwischen null bis unbezahlbar.
Die Einführung des Intrinsischen Wertes in der Rechtssprechung kann das Tier davor schützen, als zu sehr als ein Ding gesehen zu werden, und somit möglicher Weise vor dem Aussterben bewahrt werden. Wichtig ist der iW für Verfahren, in denen es um Industrie-Ansiedlungen geht. Hier wird Tier- und Naturschutz zu oft total den Interessen des Menschen untergeordnet.
Wie der Mensch Dinge mit scheinbar geringem Werte kaum oder nicht beachtet, so beachtet er auch Tiere mit scheinbar geringem Wert kaum oder nicht, etwa solche, die in Massen vorkommen. Dies gilt auch für Tiere aus der Fleisch-Industrie. Wer ein schlechtes Gewissen hat, beruhigt es mit dem Hinweis: Das ist Bio-Fleisch!

     

Zu 6. Freiheit ist ein besserer Ausgangspunkt für den Tierschutz

Die Erklärung, daß ein Tier einen Intrinsischen Wert habe, übersteigt zumeist das Vorstellungsvermögen des einzelnen Menschen. Mit anderen Worten: Es ist nicht das, das du denkst, was du denkst. – Einen schlechteren Ausgangspunkt für die Diskussion um die Rechte der Tiere gibt es nicht.
Ein wenig ist es auch mit Glauben zu vergleichen: man glaubt oder man glaubt nicht. Ich kann einen anderen nicht mit Worten überzeugen, daß es einen Gott gibt, sondern der andere muß glauben.
In der Praxis findet jeder für sich etwas wieder in dem, was wir Religion nennen; aber juristisch gesehen gibt es über Glauben keine Übereinstimmung.
Genau so sieht es aus mit dem Begriff Intrinsischer Faktor. Auch hier gibt es keine einheitlichen Vorgaben. Es ist vor Gericht ein unbrauchbarer Ausdruck im Umgang mit den Rechten des Tieres.
Besser ist es, wenn man die Interessen der Tiere vertreten will, mit dem universellen Recht der Freiheit von Menschen und Tieren zu argumentieren. Damit gelte das Recht für alle Tiere, ob sie zahlreich oder selten vorkommen.
Was würden Menschen von der Idee halten, wenn unsere Rechte auf dem Werte basierten, den uns andere zubilligen?

     

Das Wirrwarr der Begriffe

Wie die vorherigen Ausführungen zeigen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß der Intrinsische Wert verschiedenartig begriffen wird.
Weil es wertvoll ist, kann einem Individuum ein IW zugesprochen werden, ein unbestimmbarer, also leichter in Frage zu stellender.
Es kann aber auch sein, daß ein Individuum von sich aus einen intrinsischen Wert hat und deshalb nicht so leicht fragwürdig ist.
In beiden Fällen bringt das menschliche Urteil und seine Idee über den objektiven Wert nichts ein: und damit ist der praktische Wert des Begriffes gleich null.
Darüber hinaus ist es eine contradictio in terminis und der Gedanke dreht sich im Kreise.
Ein Wert wird sichtbar durch das freie Verhalten und die Art und den Umfang, wie das Individuum ihn selber bestimmt. Wir können und dürfen nicht über den Wert einen anderen urteilen.
Wirklich ist, daß ein Individuum die Freiheit und den Freiraum hat, es selbst zu sein, ungeachtet des Ursprungs und der Art seines Wunsches. Es muß dem Individuum möglich sein, so zu leben, wie es will.
Für den Menschen bedeutet es,. sich selbst zu verwirklichen, für ein Tier, zu leben wie es seiner Natur entspricht.  Eine soziale, gerechte Gesellschaft garantiert dieses seinen Mitgliedern als ihre Grundrechte. Nur so kann ein jeder sein Potential gut entfalten.
Es führte zu weit, diesen Gedanken hier weiter zu verfolgen, das geschieht aber an anderer Stelle auf dieser Webseite.

 

Selbstbestimmung für Tiere

Ungeachtet dessen, daß ein Mensch komplexer ist als ein Tier, ist damit nicht gesagt, daß er unbedingt wertvoller ist. Der Mensch sollte die Freiheit haben, seinen Eigenwert selber zu bestimmen. Wie er es macht, ist nicht wichtig, solange die Freiheit eines anderen nicht betroffen ist.
Auch für Tiere ist Freiheit existentiell.
Ich kann feststellen, daß Freiheit ein Intrinsischer Wert der Natur ist.
Es ist unmöglich und unnötig, mit Tieren ein Gespräch über den Wert der Selbstbestimmung zu führen.
Es ist Zeugnis einer sozialen Gesellschaft, daß sie ihren Mitgliedern das Recht zu Selbstbestimmung frei und immer und unbedingt gewährt.
Frei nach dem Motto: Jeder nach seiner Façon!
Frei nach Rollin und Aristoteles haben Tiere einen eigenen Zweck, eine Beschaffenheit, eine Funktion, ein Bedürfnis bestimmter Handlungen et cetera.

Geben wir den Tieren also die Freiheit, sich selbst zu bestimmen, auch wenn das nur auf der Grundlage ihrer Instinkte und Natur geschehe. Und laßt uns nicht nur dadurch, daß wir etwas unterlassen, ihr Wohl fördern, sondern laßt uns auch etwas für ihre Freiheit tun.