Die Folgen von Fischfang für Menschen, Tiere und die Umwelt

Fischkonsum: eine gute Alternative zu Fleisch?

Konsum und Produktion

Weltweit essen wir ungefähr 100.000.000 Tonnen Fisch, das sind durchschnittlich 13,5 kg pro Person pro Jahr. Die Japaner essen am meisten Fisch: jährlich 72 kg pro Person.

Kann Fisch eine gute Alternative für Fleisch sein? Diese Frage beschäftigt viele Leute, besonders diejenigen, die beschließen, wenig oder kein Fleisch zu essen. Um die Frage zu beantworten, hat der Autor dieses Artikels die Folgen des Fischverzehrs für Menschen, Tiere und die Umwelt untersucht.

Wir fangen Fische aus Seen, Flüssen oder dem Weltmeer, oder sie werden in einer Fischzucht gezüchtet. Beide Methoden haben Folgen für Menschen, Tiere und die Umwelt.

Ausrottung

trawlerIndustrielle Überfischung führt zum Verschwinden der Fische, und das ist ein Weltproblem. Biologen der Dalhousie Universität in Kanada sagen, die Zahl großer (Raub-)Fische, etwa des Marlins, Thunfisches, Kabeljaus, Heilbutts und Schwertfisches, sei innerhalb der letzten 50 Jahre um 90% gesunken (3).

Aber nicht nur ihre Zahl, sondern auch ihre Körpergröße verringert sich. Raubfische erreichen heutzutage nur ein Fünftel oder die Hälfte ihrer Körpergröße, die sie früher hatten. Manche werden nie die Chance haben, sich fortzupflanzen, so die Wissenschaftler.

Wissenschaftler weisen auf den Punkt hin, dass viele Fische aussterben werden, wenn diese Überfälle auf das Meer nicht um mindestens 50% reduziert werden.

Sind alle Fischbestände dann so niedrig? Nein, die Zahl der Weißlinge, Makrelen und Heringe ist momentan gut. Zum Beispiel ist die Zahl der Heringe in der Nordsee auf den Wert der 1960er zurückgekehrt. Der Grund dafür: die starke Reduktion des Heringfangs in den späten Neunzigern und starke Vermehrung jungen Fisches infolge günstiger Wassertemperatur und Meeresströmungen.

Beifang

Verletzter DelphinTagtäglich werden tausende Kilometer Treibnetze ins Weltmeer ausgeworfen. Diese Netze sind "Mauern des Todes" für Wale, Delphine und Schweinswale; die Säugetiere sehen die Netze oft zu spät, werden gefangen, und sind machtlos, ihnen zu entkommen: sie ersticken jämmerlich. Laut der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) sterben jährlich geschätzte 300.000 Wale, Delphine und Schweinswale als unerwünschter Beifang in Fischnetzen.

Gesundheit

Diese Fische (Liste unten) sind gesund für uns, weil sie ungesättigte Omega-3-Fettsäuren enthalten, welche nicht in Säugetieren vorkommen und die unser Körper auch nicht selber produzieren kann. Diese Fettsäuren verbessern die Fließeigenschaften des Blutes und verringern den Blutdruck. Nebenbei haben sie eine positive Wirkung gegen viele Krankheiten wie etwa Allergien. Neue Studien des "Rush-Presbyterian St. Luke's Medical Centre" in Chicago zeigen: das Essen nur eines Fisches jede Woche senkt das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, um 60 Prozent.

Gesunder Fisch

  1. Hering
  2. Makrele
  3. Sardine
  4. Lachs
  5. Thunfisch
  6. Forelle
  7. Sardelle

Ein viel gehörter Einwand gegen hohen Fischkonsum ist, dass Fisch oft Schwermetalle enthalte, Dioxine, Pestizide oder Brom, das wiederum Flammschutzmittel enthält. Diese Inhaltsstoffe bilden vor allem Fett im Körper; so könnte fetthaltiger Fisch besonders verschmutzt sein, je nach dem Ort, wo er lebte.

In der Vergangenheit war wegen der möglichen Verschmutzungen empfohlen worden, nicht mehr als einen oder zwei Fische die Woche zu essen. Inzwischen ist die Qualität des Wassers wirklich verbessert worden, sodass die Warnung nicht mehr zutrifft. Wir können schließen, dass Fisch zu essen ein- oder zweimal die Woche bestimmt gut ist für unsere Gesundheit. Mehr Fisch zu essen hat keine zusätzliche positive Wirkung, aber es schadet auch nicht, besonders wenn man verschiedene Fische isst.

Schmerz, Angst und Stress erfahren durch einen Fisch

Kann ein Fisch Schmerz fühlen, Angst und Stress? Eine sehr wichtige Frage, weil das weitgehend bestimmt, wie wir ihn behandeln.

Nicht eine wissenschaftliche Studie hat unbestreitbar bewiesen, dass ein Fisch Schmerz, Angst und Stress erfahren kann. Andererseits gilt das nicht nur für die Fische, sondern für fast alle Tiere. Das Problem ist, die genannten Gefühle sind subjektive Erfahrungen, die nicht objektiv erwiesen werden können - oder wissenschaftlich. Deshalb wird die (wissenschaftliche) Frage, ob ein Hund Schmerz, Angst und Stress spüren kann, wahrscheinlich immer unbeantwortet bleiben.

Trotz der Tatsache, dass die Erfahrung von Schmerz, Angst und Stress nicht erwiesen werden kann, kann es einleuchtend gemacht werden, dass bestimmte Tiere diese Gefühle haben. 1991 formulierte das Komitee "Schmerz und Stress von Labortieren" (Committee on Pain and Stress by Laboratory Animals) eine Kurzliste mit Merkmalen, um zu bestimmen, ob (Labor-)Tiere Schmerz, Angst und Stress spüren können:

  1. Das Vorhandensein von anatomischen und psychologischen Ähnlichkeiten mit Menschen.
  2. Reizen, die für das Tier unangenehm sind, wird ausgewichen.
  3. Es kann festgestellt werden, dass schmerzstillende Mittel Wirkung zeigen.

Deutsche Studien haben gezeigt, dass diese Merkmale auch für die meisten Fische gelten. Zudem offenbarten schottische Wissenschaftler vor kurzem: eine Injektion von Bienengift und Essig in die Lippen von Forellen ließ sie sich anders verhalten. Die Tiere zeigten nicht nur Zeichen des Stresses, sie aßen auch weniger und bevorzugten weiches Essen statt harter Stücke.

Auch andere Untersuchungen zeigen, es ist glaubhaft, dass Fische Schmerz, Angst und Stress fühlen können.

Tötungspraktiken

Ersticken

Anders als Menschen glauben, stirbt ein Fisch nicht schnell, sobald er aus dem Wasser genommen wird. Zum Beispiel ersticken Heringe erst nach mehr als 35 Minuten, Dorsche und Weißlinge erst nach 60 Minuten. Seezungen und Plattfische sterben gar noch langsamer: nach etwa 4 Stunden.

Ausweiden

"Stripping" bedeutet, dass ein Fisch lebendig ausgeweidet wird. Wie auch immer, er stirbt nicht sofort dabei. Heringe, Seezungen und Flundern können für 10 Minuten überleben, oder 30 bis 35 Minuten. Schollen können es bis zu 50 Minuten ertragen.

Ersticken und Ausweiden

Diese Tötungspraktik bedeutet, dass ein Fisch gewürgt worden ist für 7 bis 20 Minuten, aber nicht starb, und danach lebendig ausgeweidet wird. Aber er wird noch weitere 10 bis 30 Minuten leben.

Nackenschnitt

Diese Tötungspraktik wird speziell beim Aal angewandt. Der Aal wird hinter dem Kopf angeschnitten; das durchtrennt das Rückenmark. Die Versorgung des Kopfes mit Sauerstoff bleibt trotzdem intakt, weshalb das Tier nicht stirbt. Deshalb ist das Tier, während es ausgeweidet wird, manchmal noch bei Bewusstsein.

Zu-Tode-Kriechen

Hierbei sprenkelt jemand Salz über die lebenden Aale, um den Schleim von der Haut zu bekommen. Der Aal bewegt sich wild umher eine lange Zeit, er versucht dem Salz zu entkommen. Das Gefühl dieses Salzbades auf der Haut des Aals ist vergleichbar mit dem Feuerbad auf der Haut eines Menschen. Überhaupt verletzt das Salz auch die Kiemen. Offensichtlich eine sehr brutale Praktik. Hört der Aal auf, sich zu bewegen, ist er noch nicht tot, sondern wird ausgeweidet.

Leider gibt es noch viele Fischer, die diese Salzbäder nutzen. So können mehr Filets geerntet werden, denn die Fischer ziehen sich weniger Brandwunden zu. In großen Unternehmen werden die Aale mechanisch getötet mit Elektroschocks. Manchmal werden die Fische erst gar nicht getötet: die Fischer schneiden nur die für den Konsum interessanten Teile ab, dann schmeißen sie den Fisch zurück ins Meer. Ein Beispiel sind die entsetzlichen Haifischflossen.

Es ist Zeit, dass die Regierung eingreift und etwas tut für tierfreundliche Tötungspraktiken.

Die Umwelt

Eine andere wichtige Angelegenheit betrifft die Umwelt: genauso wie es bei dem Halten anderer Tiere ist, brauchen auch Fischzuchten eine gewisse Menge Dünger. Studien aus Norwegen zeigen, dass Fischzuchten eine große Quelle von Phosphat und Stickstoff sind. Doch, verglichen mit Fleisch, ist Fisch eine Alternative für die Umwelt: Fisch braucht weniger Nahrung zum Wachstum als Landtiere, denn sie brauchen weniger Energie für Bewegung und sie müssen sich nicht warm halten.

Fisch für Fisch

Ein großer Teil der Nahrung zur Fischzüchtung enthält Fischöl und -mehl. Pro Kilogramm Zuchtfisch wird im Mittel 1 kg Fischfutter (Fischmehl) gebraucht. Für dieses Kilo werden wiederum 2 bis 6 kg Fisch gebraucht. Zum Beispiel: um eine Tonne Lachs zu züchten, werden 3,3 Tonnen Sandaal und junger Hering zu Fischmehl verarbeitet. Für ein Kilogramm Fischmehl werden 1 bis 3 kg Futter gebraucht. Manche Fischarten (wie etwa Lachs und Viktoriabarsch) essen sowohl Pflanzen als auch Tiere und können eines Tages vielleicht auf eine gänzlich vegetarische Diät gesetzt werden.

Keurmerken

Lachs und Forelle biologisch

Eine wachsende Zahl Fischzüchtereien verkauft Bio-Fisch, hauptsächlich Lachs und Forelle. Wir nennen diesen Fisch "biologisch", aber er hat kein EKO-Kennzeichen (niederländisches Zeichen für Bio-Produkte), denn die Produkte sind aus dem Ausland. Manche ausländischen Kennzeichen sind: "Naturland" aus Deutschland und "Soil Association" aus Großbritannien. Auf den Packungen mögen andere Begriffe für "biologisch" verwendet werden, etwa das englische Wort "organic".

Delphin-schonender Thunfisch

Das ist ein Aufkleber (kein Kennzeichen) der Fischereiwirtschaft, der dem Verbraucher etwas darüber erzählt, wie der Thunfisch gefangen wird - und dass keine Delphine in den Netzen gefangen werden. Thunfische und Delphine leben beide im Ost-Pazifik. Es ist kein offizielles Kennzeichen.

Fisch aus dem Bio-Laden

Dieser Fisch ist ohne Treibnetze gefangen worden und enthält keine Konservierungsmittel oder Aromata. Der Fisch ist nicht geprüft worden, es gibt kein offizielles Kennzeichen. Die Läden dürfen Konserven voll Sardinen, Hering, Thunfisch, Lachs und Makrele haben.

Schlussfolgerung

Kann der Verzehr von Fisch eine gute Alternative für den Verzehr von Fleisch sein? Im Grunde ja, denn Fisch ist gesünder und weniger schädlich für die Umwelt. Aber noch immer wird eine Menge wilden Fisches benötigt für die Fischzucht. Dennoch sind die meisten Fische eine Alternative zum Fleisch: für die Produktion eines Kilogramms Fisch wird im Allgemeinen weniger Tierfleisch benötigt als für die Produktion eines Kilogramms Fleisch.

Das größte Problem ist die Unzahl Fische, die gefangen wird. Manche (Raub-)Fische sind (lokal) der Ausrottung nahe. Wenn aus kommerziellen Gründen der Wechsel auf andere Fischarten entschieden wird, ohne Maßnahmen zu ergreifen, ist es gut möglich, dass auch diese Fischarten von der Ausrottung bedroht werden.

Für die Sache des Tierschutzes gibt es nach wie vor eine große Zahl weiterer Belange, besonders betreffend Zucht, Fang und Tötungspraktiken. Zwar ist es nicht erwiesen, aber es ist sehr glaubhaft, dass Menschen einem Fisch (Tier) Schmerz, Angst und Stress antun können. Und im Zweifel für das Tier.