Bauern produzieren für den Export: den niederländischen Viehbestand verkleinern

Export in zwei Schritten: ① Warum → ② Was dann?

Animal Freedom fordert dazu auf, die Ein- und Ausfuhr von Fleisch und Milchprodukten zu stoppen

Warum diese Forderung?

Was sind die Gründe für diese Forderung und welche Konsequenzen sind damit verbunden?

Wir sind der Meinung, dass der Import und Export dieser Produkte die industrielle Massentierhaltung fördert, für deren Abschaffung wir uns einsetzen. In diesem Artikel gehen wir nicht auf die Frage ein, ob ein Verbot der Massentierhaltung und der Im- und Export der Erzeugnisse in einer freien Handelsgesellschaft realisiert werden kann. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Dieser Artikel beschreibt die Lage in den Niederlanden. Deutschland ist der größte Abnehmer. Wer in Deutschland kein Fleisch aus niederländischer Massentierhaltung kauft, verringert die Überproduktion.

Wir nennen einige mögliche Folgen sowie das Für und Wider für Schweine-, Rinder- und Geflügelhaltung. Zum Schluss nennen wir Voraussetzungen, unter denen Landwirte ein akzeptables (manchmal sogar besseres) Einkommen erzielen können.

Eine zweite Forderung: biologische Landwirtschaft

Die zweite Forderung, die wir an den niederländischen Landwirtschaftsminister gerichtet haben, beinhaltet die Umstellung der konventionellen Agrarwirtschaft auf eine ausschließlich biologische Agrarwirtschaft.

Dies würde das Wohlergehen der Tiere verbessern, primär durch die Beendigung internationaler Viehtransporte und es bedeutet zugleich auch mehr Freiheit, nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Landwirte, die durch die Futtermittelhersteller und die Fleisch verarbeitende Industrie "gegängelt" werden.

Die Niederlande in Zahlen

  • Die Niederlande produzieren fast das Dreifache ihres eigenen Verbrauchs an Schweinefleisch (Selbstversorgungsgrad 279 % im Jahr 2024) und das Anderthalbfache an Geflügelfleisch (160 %).
  • 2024 wurden 366 Millionen Stück Geflügel, 9,5 Millionen Schweine und eine halbe Million Rinder lebend exportiert: etwa eine Million Hühner pro Tag. Deutschland ist der größte Abnehmer.
  • Die Landwirtschaft nutzt mehr als die Hälfte der Landfläche, doch die gesamte Intensivtierhaltung (einschließlich Zulieferung und Verarbeitung) trägt nur 0,9 % zum Bruttoinlandsprodukt bei. Dem stehen Schäden durch Feinstaub, Ammoniak und Treibhausgase von mindestens 9 Milliarden Euro pro Jahr gegenüber (Kosten-Nutzen-Analyse von Ecorys im Auftrag von MOB, 2023). Netto kostet die Massentierhaltung die Niederlande also Geld. Per saldo trägt sie nicht zur Wirtschaft bei.

Quellen (niederländisch): Staat van Landbouw 2025; CBS, Lebendtierexport 2024; Gesellschaftliche Kosten der Intensivtierhaltung, 2023.

Schweinezucht

Die Niederlande produzieren fast dreimal so viel Schweinefleisch, wie sie selbst verbrauchen. Zwei Drittel der Schweine bzw. des Fleisches werden exportiert. 2026 gab es etwa 9,3 Millionen Schweine. Sie werden innerhalb von etwa 4 Monaten schlachtreif gemästet. Antibiotika als Wachstumsförderer sind in der EU seit 2006 verboten, doch wir bezweifeln, dass ihr Einsatz zu diesem Zweck wirklich aufgehört hat: Das Schlachtgewicht steigt weiter und Mittel mit ähnlicher Wirkung sind auch ohne Tierarzt erhältlich (Ist der Antibiotikaeinsatz wirklich gesunken?, niederländisch).

Alternative: biologische Schweinezucht

Für den Verbrauch im eigenen Land reichen weniger Tiere. Sie bekommen, wie in der biologischen Tierhaltung üblich, die nötige Zeit zum Wachsen. Die Schweine haben mehr Platz und können auch nach draußen. Für diese Art der Schweinehaltung braucht man genauso viele Landwirte wie heute, in der Fleischindustrie würden jedoch Arbeitsplätze wegfallen.

Biologische Schweinehalter halten im Durchschnitt 270 Tiere, bei höchstens 27 Tieren pro Hektar Weideland. Die gesamte Güllemenge würde auf ein Drittel sinken. Der Import von Futtermitteln aus Übersee (etwa Soja aus Südamerika) könnte drastisch zurückgehen. Die Umweltverschmutzung würde abnehmen, es wird jedoch mehr Platz benötigt. Um alle Schweine im Freien zu halten, bräuchte man eine Fläche so groß wie die niederländische Provinz Utrecht.

Milchviehhaltung

Rinder werden in den Niederlanden unterschiedlich alt. Neugeborene Bullenkälber werden schnell getötet, andere im Alter von 14 Monaten. Milchkühe werden manchmal erst nach der Geburt ihres letzten Kalbes getötet, etwa im Alter von 15 Jahren.

Der niederländische Fleischkonsum betrifft etwas weniger als ein Viertel der erwachsenen Kühe und etwa ein Drittel des Schweinefleischs. Die meisten erwachsenen Kühe sind Milchkühe, mehr als 1,5 Millionen. Sie stellen nach etwa 4 Jahren die Milchproduktion ein und haben in ihrem kurzen Leben zwei- bis dreimal gekalbt.

Alternative: biologische Milchviehhaltung

Die Umstellung von intensiver Milchviehhaltung auf biologische Viehhaltung, bei der die Tiere länger und in kleineren Herden leben (etwa 35 Milchkühe mit ihren Kälbern), bedeutet eine Verringerung der Zahl der Betriebe. Da die Milchkuh im Durchschnitt einmal jährlich kalbt, könnte der Fleischbedarf sowie der Bedarf von "Ersatzmilchkühen" auf natürliche Weise gedeckt werden.

Wenn Kühe öfter im Freien gehalten werden, wird mehr Weidefläche gebraucht. Die Nachfrage nach Futtermitteln wird zurückgehen, da in der biologischen Milchviehhaltung weniger Tiere gehalten werden.

Geflügelfarmen

Der Konsum von Hühnerfleisch ist in etwa so hoch wie der übrige Fleischverbrauch. Es wird etwa anderthalbmal so viel Hühnerfleisch produziert, wie im eigenen Land verbraucht wird. Die Niederlande haben 41,8 Millionen Masthühner; 2025 wurden 518 Millionen Hühner geschlachtet.

Alternative: biologische Geflügelzucht

Bei einer Umstellung auf biologische Hühnerhaltung könnte die Zahl der Betriebe (etwa 1230) gleich bleiben, wenn der Bestand auf ein Viertel oder ein Drittel verkleinert würde. Denkbar ist, dass ältere (aber nicht "verbrauchte") Legehennen den Fleischbedarf decken, anstelle der heutigen, speziell gezüchteten "Turbohühner". Diese Hühner leben nur etwa sechs Wochen.

Einkommen

Eine Reduzierung der Viehherden muss durch einen höheren Produktpreis ausgeglichen werden. Dieser Ausgleich findet im Idealfall durch einen gesunden Marktmechanismus statt. Schutzmaßnahmen, wie ein Export- und Importverbot, also ein Schließen der Grenzen für diese Produkte, sind im Interesse der Tiere, der Umwelt und der Gesundheit des Verbrauchers.

Höhere Fleischpreise

Dies bedeutet, dass der Verbraucher einen höheren Preis für Fleisch und Milchprodukte bezahlen müsste. Die Preise könnten sich verdoppeln oder sogar verdreifachen. Eine weitere Lösung liegt in der Änderung des Konsumverhaltens: weniger Fleisch, dafür mehr Obst und Gemüse. Dies ist preiswerter und gesünder, auch für unsere Umwelt. Ein höherer Fleischpreis muss für den Verbraucher kein Problem werden.

Nicht zu vergessen ist die Tatsache, dass wir über unsere Steuern EU-Subventionen finanzieren, die zur Förderung der Massentierhaltung und zur Behebung der daraus resultierenden negativen Konsequenzen für Umwelt und Verbraucher eingesetzt werden.

Vorteile am Ende

Durch ein Verbot von Export und Import für Fleisch und Milchprodukte sowie einen Subventionsstopp können all diese Probleme vermieden werden und Landwirte und Verbraucher werden am Ende profitieren.

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