Hund von heute: Wie der Mensch Hunderte Rassen geschaffen hat

Ein Chihuahua wiegt keine zwei Kilo, eine Deutsche Dogge kann über 80 Kilo schwer werden. Und doch gehören beide zu derselben Art: dem Haushund. Alle Hunde lassen sich miteinander kreuzen und bekommen fruchtbare Nachkommen. Die enormen Unterschiede in Größe, Form und Fell hat nicht die Natur hervorgebracht, sondern der Mensch.

Vom Wolf zum Rassehund

Der Hund stammt vom Wolf ab (siehe Geschichte des Hundes). Über Jahrtausende wählten Menschen Hunde nach ihrem Nutzen aus: zum Jagen, Hüten, Bewachen oder Ziehen. Die meisten heutigen Rassen sind aber erstaunlich jung. Erst im 19. Jahrhundert, mit dem Aufkommen von Hundeausstellungen und Zuchtvereinen, wurden Rassen genau festgelegt – in sogenannten Rassestandards. Seitdem gilt ein Hund nur dann als Rassehund, wenn seine Eltern im selben geschlossenen Zuchtbuch eingetragen sind.

Wie viele Hunderassen gibt es?

Die Fédération Cynologique Internationale (FCI), der größte internationale Dachverband, erkennt rund 360 Rassen offiziell an. Zählt man die Rassen hinzu, die nur von nationalen Vereinen oder überhaupt nicht anerkannt sind, kommt man auf deutlich mehr als 400. Eine genaue Zahl gibt es nicht, denn es kommen ständig neue Rassen und Modehunde hinzu.

Der Mensch bestimmt, wie ein Hund aussieht

Ein Rassestandard beschreibt bis ins Detail, wie ein Hund auszusehen hat: Kopfform, Ohrenstellung, Rutenlänge, Fellfarbe. Züchter wählen die Elterntiere danach aus. Damit entscheidet der Mensch, welcher Hund sich fortpflanzen darf und welcher nicht. „Ein etwas kürzerer Fang, etwas kürzere Beine und hübsche Hängeohren“ – solche Wünsche werden über Generationen in den Körper des Tieres hineingezüchtet. Der Mensch spielt hier ein bisschen Gott.

Weil nur ein kleiner Kreis von Tieren zur Zucht zugelassen wird, sind viele Rassen stark ingezüchtet. Erbkrankheiten verbreiten sich dadurch leicht. Hinzu kommen Merkmale, die schon an sich krank machen. Bei Mops, Französischer und Englischer Bulldogge ist die Schnauze so kurz, dass viele Tiere schlecht Luft bekommen. Große Rassen leiden häufig an Hüftgelenksdysplasie. Beim Cavalier King Charles Spaniel sind Herzleiden und eine schmerzhafte Fehlbildung des Schädels (Syringomyelie) weit verbreitet. Die Folgen dieser Züchtungen sind für den Hund enorm.

Qualzucht: verboten, aber weiterhin Alltag

Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet in § 11b, Tiere zu züchten, wenn zu erwarten ist, dass die Nachkommen dadurch Schmerzen, Leiden oder Schäden haben. Man spricht von Qualzucht. Seit 2022 dürfen Hunde mit solchen Merkmalen in Deutschland außerdem nicht mehr ausgestellt werden. Trotzdem werden die betroffenen Rassen weiterhin gezüchtet und verkauft. Das Gesetz legt nicht genau fest, welche Merkmale darunter fallen. Kontrollen sind selten.

Eine ganze Industrie

Rund um die Hundezucht ist eine regelrechte Industrie entstanden: Züchter, Vereine, Ausstellungen, Händler und, vor allem im Internet, ein umfangreicher illegaler Welpenhandel. Die Nachfrage nach bestimmten Modehunden bestimmt, was gezüchtet wird. Der Hund wird an die Wünsche und Vorstellungen des Menschen angepasst – nicht umgekehrt (siehe Die Industrie um das Haustier).

Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Mit welchem Recht bestimmt der Mensch über den Körper eines anderen Tieres? Wer die Freiheit eines Tieres einschränkt, muss das rechtfertigen – nicht das Tier muss beweisen, dass es Rücksicht verdient. Welche Nachteile das für den Hund hat, lesen Sie im nächsten Teil dieser Reihe.

Lesen Sie auch: Körperliche Unversehrtheit, Wohlfahrt und Tierrechte; Was versteht man unter Tierquälerei?


Dieser Artikel ist Teil einer Reihe darüber, ob Sie ein Haustier bekommen sollen oder nicht. Der Inhalt dieser Serie ist unten. Darunter noch mehr Artikel über Haustiere.
Haustiere halten.

Zum Beispiel: der Hund

Geschichte des Hundes.
Hund von heute.
Die Folgen der Züchtungen.
Nachteile für den Hund.

Menschen

Warum wollen Menschen ein Haustier?
Nachteile für den Menschen.
Die Industrie um das Haustier.

Schlussfolgerung

Haustiere halten?

Siehe auch

Kaninchen als Haustier… Ungeeignet?
Schlechte Argumente für das Halten von Haustieren.
Was ist verkehrt am Goldfischglas?

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